… gegen die Abschiebung

„Dublin braucht eine Seele“ war am Transparent zu lesen. An der Solidaritätskundgebung gegen die Abschiebung einer syrischen, bestens integrierten fünfköpfigen Familie, heute, Freitag, 31. März, im Fürstenfelder Grabher-Haus beteiligten sich viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer der Fürstenfelder Flüchtlingshilfe, darunter auch geflüchtete Familien, die in Fürstenfeld und in der näheren Region seit langem ihre zweite Heimat gefunden haben, integriert, akzeptiert und glücklich hier leben.
Die Proponenten der Flüchtlingshilfe Fürstenfeld konnten dazu auch Bürgermeister Werner Gutzwar, Vizebürgermeister DI Johann Rath sowie die Gemeinderäte Andrea Kogler, Michael Prantl und Harald Peindl begrüßen. Vom Gymnasium Fürstenfeld nahm Direktor MMag. Martin Steiner mit Kollegium, von der Volksschule Fürstenfeld Direktorin Angela Timischl mit Kollegium teil. Der Lehrkörper stellte den von der Abschiebung betroffenen Kindern das beste Zeugnis aus.

Testament Dublin

Entsetzen und höchste Alarmstufe herrscht bei den ehrenamtlich geführten Fürstenfelder Organisationen und Privatpersonen, die sich mit großem Einsatz und erfolgreich um die Integration der in übersichtlicher Anzahl in Fürstenfeld „beheimateten“ Asylwerber kümmern.

Die fünfköpfige Familie Mardini, seit drei Jahren in Österreich, seit 20 Monaten in Fürstenfeld, stammt aus Aleppo und ist seit mittlerweile fünf Jahren auf der Flucht. Der bestens in Fürstenfeld integrierte Familie mit Vater Omar – 48 Jahre, Mutter Enaam - 45 Jahre sowie den drei Kindern, Raghad - 19 Jahre, Ibrahim - 14 Jahre und Yaman – 9 Jahre, steht laut Bescheid des Innenministeriums vom 23. März dieses Jahres unmittelbar die Abschiebung gemäß Dublin-Abkommen bevor.

Auf ihrer Flucht über den Libanon, die Türkei, Bulgarien und Deutschland gelangten sie schließlich nach Österreich. Der Vater hatte bereits zwei Schlaganfälle und einen Herzinfarkt, die Mutter kämpft ebenfalls mit gesundheitlichen Problemen. Die Kinder leiden sehr unter der Situation und fürchten die Abschiebung durch die Fremdenpolizei, die, so fürchten sie, mit Hunden am frühen Morgen kommt und ihnen 30 Minuten Zeit gibt, um die Wohnung zu verlassen und mit der Fremdenpolizei mitfahren müssen.

Die Kinder besuchen Schulen vor Ort, sprechen sehr gut Deutsch, vor allem die beiden jüngeren. Ibrahim besucht die NMS Ilz mit guten Schulnoten und spricht steirischen Dialekt. Yaman besucht die 2. Klasse der Volksschule Fürstenfeld und spricht bereits akzentfreies Deutsch. Raghad besucht die 6. Klasse des Fürstenfelder Gymnasiums. - Der Gesundheitszustand der Eltern wie auch die Schulbesuche der Kinder sind bestens dokumentiert. Auf Grund der Tatsache, dass die Familie ein Jahr in Bulgarien war und dort ihre Fingerabdrücke abgeben musste, droht ihnen ab nächster Woche nach Ende der Einspruchsfrist die Abschiebung. Derzeit bereitet die Diakonie einen Einspruch vor.

Vater Omar Mardini meint, er würde am liebsten nach Syrien zurückgehen, dort würden sie ihn erschießen, dann wäre das fünfjährige Martyrium endlich vorbei. Aus Aleppo flüchtete die Familie aufgrund der Lebensgefahr durch die Bedrohung durch den IS Islamischer Staat. Ihre Wohnung ist zerstört, Freunde schickte ihnen Fotos des zerstörten Hauses. Die kleine Yaman klagt: „Warum will man uns in Österreich nicht?“

NGOs, Organisationen und Privatpersonen bekunden vehement ihre Solidarität mit dem Schicksal der bestens integrierten Familie Mardini und fordern: „Beispiele gelungener Integration sollten von den entsprechenden Zuständigkeiten unbedingt noch einmal begutachtet werden. Verknüpft mit dem gesundheitlichen Schicksal der Eltern und der aktuellen Situation der leidgeprüften, gut integrierten Kinder müssen unbedingt christliche Maßstäbe angewendet werden. Auch das Dubliner Abkommen braucht eine verwaltungstechnische Seele – denn das ist Europa!“

Diese Woche werden noch Unterschriften gesammelt. Listen liegen auf: Stadtbücherei, Pfarrkindergarten, Städtischer Kindergarten, AHS, Musikschulabend, Pfeilburg, Apotheke, Bauernmarkt, Rotes Kreuz.