Brauchtum und Feinstaub

Was ist Feinstaub?

Brauchtum und Feinstaub – ein Umweltproblem

Feinstaub ist nahezu unsichtbar und wird auch als Schwebstaub (englisch: Partikulate Matter) bezeichnet. Die winzigen Staubteilchen sind in drei Klassen unterteilt:

  1. Partikel mit einem Durchmesser von 10 Mikrometer, also zehn Millionstel Meter und weniger (PM10).
  2. Partikel, die vier Mal kleiner sind, also PM2,5 mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometer
  3. Partikel, die ein Mikrometer und kleiner sind: so genannter Ultrafeinstaub PM0,1.

Die meisten Daten liegen für PM10 vor. Diese Partikel werden flächendeckend durch Messungen in über 40 Stationen in der Steiermark erfasst, so etwa in Fürstenfeld bei der Messstation in der Nähe des Eurospar-Marktes. https://www.umwelt.steiermark.at/cms/beitrag/10432355/2061730/

Luftgüte-Mess-Station Fürstenfeld (https://www.umwelt.steiermark.at/cms/beitrag/10432355/2061730/)

Wie gefährlich ist Feinstaub?

Dass Feinstaub gesundheitsschädlich ist, ist wissenschaftlich gut belegt. Teilweise lagern sich an den Oberflächen der Partikel gefährliche Stoffe wie Schwermetalle oder Aluminium an, die dann beispielsweise Krebs erzeugen können. Doch auch die Partikel selbst sind ein Risiko – und je kleiner sie sind, desto größer ist das Risiko. Denn die kleineren Partikel dringen tiefer in die Atemwege ein. Ultrafeinstaub kann über die Lungenbläschen sogar ins Blut gelangen.

Luftgüte-Mess-Station Fürstenfeld (https://www.umwelt.steiermark.at/cms/beitrag/10432355/2061730/)


Luftgüte-Mess-Station Fürstenfeld (https://www.umwelt.steiermark.at/cms/beitrag/10432355/2061730/)

Gelangen die ultrafeinen Partikel in die Blutbahn, können sie alle Organe erreichen. Das Blut kann dickflüssiger werden, die Gefahr eines Infarkts steigt. Sie können auch ins Gehirn gelangen, wo sie zu kleinen Schlaganfällen beitragen können.

https://www.quarks.de/gesundheit/warum-feinstaub-so-gefaehrlich-ist/

Zwei Brauchtums-Hotspots

Das Entzünden von Osterfeuern und das Abfeuern von Raketen, Knallern etc. zu Silvester führen jeweils zu einer deutlichen Erhöhung des Feinstaubs in der Luft sowie zu einer extremen Luftverschmutzung in nur wenigen Stunden.

Beim Silvesterfeuerwerk entstehen bedenkliche Mengen an Feinstaub

Das Umweltbundesamt in Deutschland erhob, dass etwa 4000 Tonnen Feinstaub zu jedem Jahreswechsel allein durch die unzählbar vielen Silvesterfeuerwerke in die Luft gelangen. Das sind etwa 15 % der Menge, die alle Autos und Lastwagen gemeinsam in ganz Deutschland binnen eines Jahres erzeugen. Oder noch bildhafter ausgedrückt: Das, was der Straßenverkehr vom 1. Januar bis ca. Ende Februar an Feinstaub in die Luft bläst, entspricht derselben Menge, die Böller- und Feuerwerksfreunde innerhalb weniger Stunden freisetzen.

https://www.umweltbundesamt.de/themen/luft/luftschadstoffe/feinstaub/feinstaub-durch-silvesterfeuerwerk

Manche Experten setzen die Schadhaftigkeit noch wesentlich höher an: https://www.krone.at/605338

Abgesehen davon gibt es alljährlich Menschen, die sich mit diesen Feuerwerkskörpern an Augen oder Händen verletzen. Jedes Jahr kommt es zu Bränden, die eindeutig auf dieses „Brauchtum“ zurückgeführt werden kann.

Auch für Tiere, egal ob Haus- oder Wildtiere, ist der Krach in der Silvesternacht Jahr für Jahr der blanke Horror.

Tatsache ist: Es gibt kein einziges gutes Argument für das Festhalten einiger an ihren privaten Knallereien, das auch nur ansatzweise die von allen zu tragenden hohen gesellschaftlichen Kosten dafür rechtfertigen würde. https://futurezone.at/meinung/ein-feuerwerk-an-mutlosigkeit/401139825

Sieht man sich nur die in den letzten Jahren die gemessenen Feinstaubwerte der Fürstenfelder Messstation an, so zeigt sich folgendes Bild:

Der Grenzwert von 50 µg/m³ wurde in den Jahren

2020 (58 µg/m³)

2017 (60 µg/m³)

2016 (62 µg/m³)

2015 (57 µg/m³)

2013 (87 µg/m³, eine Überschreitung um 174%)

2012 (71 µg/m³ / 143%)

2011 (101 µg/m³, 202%) und

2010 (55 µg/m³ / 110%) überschritten.

Nur zum Vergleich: Scheint auf der Autobahn der „IGL-Hunderter“ auf, dann werden 49 µg/m3 des gleitenden Dreistundenmittelwertes für PM10 überschritten.

LUIS- Online Luftgütedaten


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In den Jahren dazwischen waren die Feinstaubwerte nur geringfügig unter der Marke von 50 µg/m³. Die einzige positive Ausnahme war der Jahreswechsel 2020 / 2021 – der Feinstaubwert lag – coronabedingt – bei 37 µg/m³.

Zusätzlich zur Problematik des Feinstauben kommt noch eine Reihe weiterer schädlicher Faktoren hinzu: Unterschiedliche Metalle und Chemikalien – Kalium, gefolgt von Barium, Strontium, Magnesium und Kupfer, für die Farbeffekte, Metalle wie Aluminium, Arsen, Barium, Blei, Cäsium und Selen – erreichen einen gesundheitlich bedenklichen Bereich. Auch der Schwefelgehalt kann kritische Werte überschreiten.

https://salzburg.orf.at/stories/3084015/

 

Die moralische Seite der Silvesterrakete

Die größten Produzenten von Feuerwerkskörpern sind China und Indien. Die Arbeitsbedingungen sind dort fast durchwegs ausbeuterisch und gesundheitsschädlich. Jahr für Jahr kommt es zu schweren Explosionen, denen Dutzende Menschen zum Opfer fallen. Und vor allem in Inden ist Kinderarbeit an der Tagesordnung. Obwohl das Gesetz gefährliche Kinderarbeit verbietet, muss davon ausgegangen werden, dass nach wie vor Zehntausende Kinder in der Feuerwerksindustrie beschäftigt sind. Schon Zehn- bis Zwölfjährige arbeiten häufig mehr als 13 Stunden am Tag und bekommen nur einen Bruchteil dessen, was ein Erwachsener verdienen würde. Die Gefahr, dass sie durch den direkten Kontakt mit Schwefel, Schwarz- und Aluminiumpulver an Asthma oder Tuberkulose erkranken, ist sehr hoch. Um staatlichen Kontrollen zu entgehen, werden Feuerwerkskörper zunehmend in Heimarbeit von Frauen und Kindern hergestellt.

https://www.konsument.at

https://www.katholische-kirche-steiermark.at/portal/home/aktuellesneu/article/3326.html

https://www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de/produkte/industrie/feuerwerkskorper/

Osterfeuer

 Die Osterfeuer stellen in Fürstenfeld den Feinstaub betreffen ein etwas geringeres Problem dar, da dieses Brauchtum eher in ländlichen Gemeinden eine Rolle spielt. In den Jahren 2010 – 2020 wurden zu Ostern die Feinstaubwerte etwa 2011 (63 µg/m³), 2016 (58 µg/m³ ) und 2019 (50 µg/m³ ) überschritten. Die große Ausnahme war wieder 2020: 18 µg/m³.  

Das Abbrennen von Baumschnitt, von „grünem“ oder feuchtem Material führt zu unvollständiger Verbrennung: Dabei entstehen Gifte, die zehnmal schädlicher sind als etwa Dieselruß.

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Warum müssen Brauchtumsfeuer eingeschränkt werden?

Um Feinstaub zu reduzieren, bedarf es vieler kleiner Schritte. Einer davon sind die Brauchtumsfeuer. Neben Feinstaub produzieren diese überdies einen Schadstoffmix mit hohen Anteilen an allen möglichen Schadstoffen, die durch unvollständiges Verbrennen gebildet werden. Die Feuer wirken sich im dicht besiedelten Gebiet außerdem aufgrund von Rauch und Geruch mit extrem hohen Spitzenkonzentrationen besonders belästigend aus.

 

https://www.umwelt.steiermark.at

Beitragsbild:

https://pxhere.com/de/photo/1160027

 

 

2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Ulrike Pichler
    03/01/2021 09:35

    Nich zu vergessen ist auch die sehr fragwürdige Produktion solcher Feuerwerkskörper!!!

    Antworten
  • Timischl
    03/01/2021 17:47

    Danke, die fragwürdige Produktion wurde nun auch berücksichtig, wenn auch nicht erschöpfend!

    Antworten

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